Lymphdrainage - die Königin unter den Massagen


Für all diese Dinge

Als allererstes gehört geklärt, wofür wir Lymphdrainagen verwenden.
Lymphdrainagen sind ein wahrer tausend Sasser. Bei Verrenkungen, Zerrungen, Verstauchungen, Muskelfaserrisse und anderen Verletzungen, die mit einer Schwellung einhergehen, ist eine Lymphdrainage das Mittel zum Zweck. Ebenfalls hilfreich ist sie bei Migräne und Spannungskopfschmerzen, Verdauungsproblemen und geschwollenen Beinen durch langes Stehen oder zu wenig Bewegung. Überdies sorgt eine Lymphdrainage für mehr Spannung in der Haut, sorgt für einen strahlenden Tein und wirkt beruhigend. Eine Lymphdrainage wirkt tonussenkend und schmerzstillend. Dies sind einige der Indikationen für eine Lymphdrainage. Wie ich finde, sind das wahnsinnig viele und sehr gute Gründe, um es zu probieren. 

Wie funktioniert die Lymphe und was tut sie?

Die wichtigste Aufgabe der Lymphgefäße sind Drainage und Abtransport von Gewebsflüssigkeit.
Das lymphatische System ist ein wichtiger Bestandteil der Immunabwehr. Außerdem sorgt es im Dünndarm für die Aufnahme und den Transport von Nahrungsfetten. 
Damit dieses System reibungslos funktioniert, bedarf es einigen Faktoren, die zusammenspielen müssen.
Das Lymphgefäßsystem transportiert Lymphflüssigkeit aus allen Ecken deines Körpers in den venösen Blutkreislauf. Die Gefäße entstehen frei im Gewebe und transportieren die Lymphflüssigkeit bis zum Herz. Das Lymphsystem hat keine Pumpe wie das Herz-Kreislaufsystem. Es wird durch die Atmung, Darmperistaltik, Muskelpumpen und anderen Faktoren beeinflusst. Außerdem finden sich am Weg zum Herz, wo die Lymphe schließlich hin soll, immer wieder kleiner Filterstationen – die Lymphknoten. 


Lass uns einen Blick auf den Beginn von all dem werfen.

Kleinen Lymphkapillare überziehen deinen Körper netzartig. Da diese noch keine Klappen besitzen, ist es einem Therapeuten möglich, die Lymphe hier in die gewünschte Abflussrichtung zu schieben. Gerade bei Verletzungen und/oder Entfernungen von größeren Lymphknotenansammlungen machen sich Masseure das zu Nutze. Angestaute Lymphflüssigkeit kann über das Kapillarnetz verschoben werden. Dadurch kann es wiederum zu den größeren Präkollektoren gelangen.
Aus dem Kapillarnetz geht es weiter in die Präkollektoren. Die Präkollektoren, du hattest es dir gedacht, schließen an die Kollektoren an. 
Hier passiert viel der Lymph-Magie.
Die Kollektoren besitzen Klappen, wodurch sie ein Zurückfließen der Lymphe verhindern und sie sind die hauptsächlichen Transportgefäße.
Die Kollektoren verlaufen nicht, auf direktem Weg in Richtung Herz. Nein, sie transportieren die Flüssigkeit erstmal zu den großen Lymphstämmen. An den Armen und Beinen funktioniert das parallel zu den Extremitäten. Am Rumpf verlaufen sie sternförmig in Richtung Achsel und Leiste. 
Die zwischengeschalteten Lymphknoten sind zwischen 2 mm und 30 mm lang. Viele davon befinden sich im Bauch-, Hals- und Kopfbereich. Sie funktionieren als Filter und verarbeiten Stoffwechselabbauprodukte, Fremdkörper und Krankheitserreger. Jeder Lymphknoten hat eine zugeordnete Region. Dadurch kann man bei vergrößerten Lymphknoten auf den Ort der Problematik Rückschlüsse ziehen. 

Langsam und zart

Nun stellt sich bei Behandlungen immer wieder die Frage warum langsam und sanft gearbeitet wird. Nun ja. Du musst dir vorstellen, dass die Gefäße, an denen die Lymphdrainage ausgeführt wird, sehr zart sind und eine Behandlung für die Gefäße anstrengend ist. Du kennst das, wenn du eine Torte verzieren willst. Die Creme lässt sich mit einem Küchenhelfer ruck zuck auf der Torte verteilen. Mit einem Spritzbeutel brauchst du deutlich mehr Energie, um die Creme auf die Torte zu bekommen. Die Öffnung vorne ist kleiner und dadurch braucht es den genau richtigen Druck, etwas Energie und viel Geduld, um hier weiterzukommen.

Das System ist überdies nicht gerade das Schnellste. Die Frequenz der Lymphangiomotorik ist sehr gering.

 

Von oben nach unten

Bei Therapien wird von Kopf nach Fuß gearbeitet. Oftmals fragen Klienten sich, warum am Hals herumgedrückt wird, wenn das Knie schmerzt. Das ist einfach erklärt. Durch das freimachen der oberen Gefäße wird Platz für die Flüssigkeit von weiter entfernten Gefäßen geschaffen. Außerdem entsteht eine Sogwirkung, die den Therapeuten in der Arbeit unterstützt. Wenn das Knie schmerzt werden alle größeren, darüberliegenden Gebiete vorbehandelt. Damit ist der Weg frei und die tatsächlich betroffene Stelle ist schneller frei von Lymphansammlungen oder, einfach gesagt, einer Schwellung.


So wenig Druck?

Ja, so wenig Druck reicht aus. 
Als kleinen Leitsatz hören auszubildende gerne, dass der Druck eine Scheibe (weichen) Käse, nicht zerdrücken sollte. Aber das ist nur ein kleiner Anhaltspunkt.
Wir wollen die Gefäße nicht abdrücken, sondern mit Dreh, Pump und Schöpfgriffen unterstützen. Eine festgelegte Griffstärke gibt es nicht. Der Therapeut passt den Druck je nach Körperregion und Eigenempfinden an. Dabei kommen die fühlenden Hände ins Spiel. Eine Lymphdrainage kann nicht ohne Gefühl verabreicht werden. Es ist für einen Therapeuten wahnsinnig wichtig zu spüren und den Druck anzupassen. 

Im Großen und Ganzen ist eine Lymphdrainage eine sehr sanfte, fühlige Form der Massage.
Der Therapeut versucht kleinste Veränderungen unter den Fingerspitzen zu fühlen. Damit liest und versteht er den Körper des Klienten. Während einer Lymphdrainage wird der zu Behandelnde im Idealfall ruhiger, entspannter und locker. Oftmals wird ein Gefühl der Leichtigkeit, weniger Schmerz und eine allgemeine Ruhe beschrieben. Eine kurze Nachruhe, Bewegen der Extremitäten und langsames Aufstehen runden eine Behandlung perfekt ab.

 

 

Weitere Infos

 

Mögliche Indikationen wurden oben schon genannt.

Absolute Kontraindikationen

  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Überempfindlichkeit der Sinus Caroticus
  • Herzrhythmusstörungen

 

Dieser Beitrag soll das Mysterium „Lymphdrainage“ aufklären.
Ich hoffe ihr hattet Spaß beim lesen und freut euch schon auf eure nächste Lymphdrainage.


Bei Fragen einfach einen Kommentar hinterlassen.

 

Quelle: Grundlagen der manuellen Lymphdrainage/Urban Fischer Verlag/Michael Földi Roman Stößenreuther